Geschichte

01. Eine Welt im Umbruch? Welche geschichtlichen Prozesse bewegen die Welt?

02. Römisches Mosaik nach Restaurierung in der Pfalz wieder in Augsburg

03. Auf Spurensuche mit Provenienzforscherin Dr. Barth-Coorssen im Schaezlerpalais Augsburg am Internationalen Tag der Provenienzforschung (8. April 2026)

01. Eine Welt im Umbruch? Welche geschichtlichen Prozesse bewegen die Welt?

Eine Einschätzung der gegenwärtigen Lage (Januar 2026) von Rupert Huber, ehemaliger Gymnasiallehrer für die Fächer Geschichte und Sozialkunde

Geschichtliche Prozesse und kulturelle Entwicklungen bedingen sich schon immer gegenseitig, treiben einander an.

So ist etwa die jahrzehntelang gültige bipolare Weltordnung des Kalten Krieges und deren ideologische Grundausrichtung nach 1990 längst aufgebrochen, Fukujamas „Ende der Geschichte“ mit dem prognostizierten Endsieg des demokratisch-kapitalistischen Modells ist auch längst schon wieder Geschichte.

Heute stehen sich im Wesentlichen drei politische Modelle gegenüber: Führer-Diktaturen (China, Russland) bzw. theokratische Diktaturen (Iran), autoritäre (z.B. die Trump-USA) bzw. illiberale Systeme (z.B. Ungarn, Slowakei, z.T. Polen) im Herzen Europas und eben die in Bedrängnis geratenen parlamentarisch-demokratischen Staaten.

Welche neuen politischen und kulturellen Werte sichtbar werden kann man am Beispiel der USA belegen. Im Einzelnen:

• Absage an eine regelbasierte Ordnung (siehe z.B. UN, Völkerrecht), stattdessen „America First“ und MAGA mit
  unilateralen imperialistischen Ambitionen (siehe ‚Donroe‘-Doktrin, Grönland)

• im Inneren Antiintellektualismus, Wissenschaftsfeindlichkeit (siehe Harvard), elitäres, pervertiertes christlich-nationales Menschenbild  (siehe ‚white supremacy‘)

• de facto Aushebelung der Gewaltenteilung, ‚checks and balances‘ greifen nicht mehr, Missbrauch der Justiz

• Erosion der Rechtsstaaten (zerstörter Minderheitenschutz, ICE).

In Summe läuft das auf eine eklatante Bedrohung der Verfassung hinaus. Ob der Souverän, das US-amerikanische Volk, Fehlentwicklungen (siehe Trumps Kampagne zur ‚gestohlenen Wahl‘) überhaupt an der Wahlurne (z.B. die mid-terms) korrigieren kann, ist nicht (mehr) garantiert.

Für Europa bedeutet das Zusammentreffen der 1. ‚Zeitenwende‘ (Angriffskrieg Russlands in und um Europa) mit der 2. ‚Zeitenwende‘ (erkennbare Abwendung der USA vom bisherigen Schutzversprechen der NATO, Europa jetzt als erklärter liberaler Feind) eine existenzbedrohende Herausforderung.

Wie dem begegnen, was sollte/müsste Europa in dieser fundamentalen Krisensituation hinbekommen?

• militärisch mittelfristig auf eigenen Füßen stehen (Abschreckung)

• Regulierung der unsozialen ’sozialen Medien‘ gegen russische Trolle und US-Tech-Giganten

• digitale Unabhängigkeit gegen Russland, China und USA anstreben, vor allem die bisher cloudgestützte Totalabhängigkeit von den USA  zurückfahren

• Erderhitzung und Klimawandel einigermaßen einhegen durch Abkehr von fossilen Brennstoffen, besonders aus Russland und USA

• parlamentarisch-demokratische Strukturen in Europa aufrecht erhalten und autoritäre bzw. illiberale Übernahmemanöver in                Großflächenstaaten (etwa Frankreich 2027, Deutschland 2029) verhindern

Tatsächlich also alles auf einmal.

Wir müssen es entschlossen angehen, es gibt keine andere Option.

02. Römisches Mosaik nach Restaurierung in der Pfalz wieder in Augsburg

Wir befinden uns im Jahre 2026. Augsburg, Augusta Vindelicum, heute drittgrößte Stadt Bayerns und mit einer über 2000jährigen Geschichte vor langer Zeit Hauptstadt der römischen Provinz Rätien – älteste Stadt von ganz Deutschland? (Leider) Nein! Diesen Platz nimmt – so ist zu lesen – das etwa 16 v.Chr. von den Römern gegründete Augusta Treverorum (Trier) in Rheinland-Pfalz ein.

Und wie sieht es mit dem ‚Konkurrenten‘ Kambodounon (Kempten) aus? Diese Stadt gilt als die „älteste schriftlich erwähnte Stadt Deutschlands“, die in einem Buch des Geografen Strabon schon im Jahr 18 n.Chr. Erwähnung findet1.

Welchen Platz nimmt nun Augusta Vindelicum ein? Zumindest gilt das heutige Augsburg als älteste Stadt Bayerns. ‚Amtlich festgelegt‘ scheint die ganze ‚Rangordnung‘ ohnehin nicht zu sein. Jedenfalls ließen offensichtlich zwischen 8 und 5 vor Christus die Römer ein „Militärlager im heutigen Stadtteil Oberhausen“ errichten, was Augsburg als „ältesten römischen Stützpunkt in Bayern“ auszumachen scheint2.

Sei dem, wie dem sei, ein aus dem Stephansgarten stammender, bedeutender  Mosaik-Fund aus der Römerzeit Augsburgs (2./3. Jahrhundert nach Christus) ist nach seiner Restaurierung in einer Spezial-Werkstatt in der Pfalz wieder dahin zurückgekehrt, wo er auch augenscheinlich ‚hingehört(e)‘.

Gefunden und geborgen wurde der spektakuläre Fund 1986/87 im Garten des Klosters St. Stephan (Domviertel). Es handelt sich dabei um einen ca. 2,50 x 1 m großen Fußboden mit einem schwarz-weißen „Rautenmuster mit Dekor in Spindelform“. Das Mosaik soll „ein Highlight der Archäologischen Landesausstellung und des künftigen Römischen Museums“ werden. Wann genau, steht bislang noch nicht fest.

Jedenfalls ist, so Kulturreferent Jürgen K. Enninger, auch in Zukunft zu erwarten, dass in Augsburg „noch viele herausragende Fundstücke [die] im Boden der Stadt schlummern“ zum Vorschein kommen. „Damit wird sich auch die Präsentation des geplanten künftigen Römischen Museums ständig erneuern. So vervollständigt sich Schritt für Schritt unser Blick auf die Geschichte unserer Stadt.“3

1https://www.kempten.de/romerstadt-kempten-313.html#:~:text=Kempten%20ist%20die%20%C3%A4lteste%20schriftlich,Buch%20des%20Geografen%20Strabon%20auf.

2 https://www.augsburg.de/aktuelles-aus-der-stadt/detail/ausgrabungen-bestaetigen-augsburg-ist-aeltester-roemischer-stuetzpunkt-in-bayern

3zitiert nach der Pressemitteilung der Stadt Augsburg: presse@augsburg.de

Bildnachweis:

Bild 1 – Ein rares römische Mosaik, das im 2./3. Jahrhundert ein Gebäude am Randes Forums von Augusta Vindelicum zierte, wurde nun restauriert und in der Augsburger Stadtarchäologie von Restaurator Matthias Blana, Kulturreferent Jürgen K. Enninger und Stadtarchäologie-Leiter Dr. Sebastian Gairhos ausgepackt.Bildnachweis: © Monika Harrer / KMA

Bild 2 – Das restaurierte Mosaik Bildnachweis: © Ruth Plössel /Stadt Augsburg

Bild 3 – Fundsituation des Mosaiks im Stefansgarten in den 1980er Jahren Bildnachweis: © Stadtarchäologie Augsburg

03. Auf Spurensuche mit Provenienzforscherin Dr. Barth-Coorssen im Schaezlerpalais Augsburg am Internationalen Tag der Provenienzforschung (8. April 2026)

Die Referentin war durchaus über die große Anzahl der Teilnehmenden, die sich zu einer sehr interessanten, informativen Führung im Schaezlerpalais eingefunden hatten, überrascht. Um es gleich vorwegzunehmen: Es war ein wirklich erhellender, trotz der sicher nicht für jeden damit schon vertrauten Materie verständlich vermittelter Vortrag mit anschließender Führung, der den Teilnehmenden immer wieder unerwartete, spannende Einblicke in die Arbeit(sschritte) von Provenienzforschung bzw. in die aktuelle, arbeitsintensive Arbeit der Forscherin vermittelte.1

Auch didaktisch war das Ganze ansprechend aufbereitet. Es durften nach dem Einführungsvortrag nicht nur uneingeschränkt Fragen gestellt werden, die auch nach bestem Wissen und Gewissen bereitwillig beantwortet wurden, nein, auch die Teilnehmenden selbst wurden in die Veranstaltung einbezogen. Bei der anschließenden Führung mittels grüner/oranger/roter Karten durften Vermutungen darüber angestellt werden, wie es um die Herkunft des zur Diskussion stehenden Kunstwerks bestellt sein könnte, bzw. ob es dabei mit ‚rechten Dingen‘, also rechtmäßig-legal zugegangen ist. Manch Teilnehmender hat sich da zu seiner/ihrer Überraschung ziemlich verschätzt…

Das zeigt nicht nur die Schwierigkeiten bei der ‚Ermittlung‘ der Herkunft der Objekte, sondern bedeutet unter anderem eine große Verantwortung auch und gerade in moralischer Hinsicht. Dr. Barth-Coorssen vermittelte in diesem Zusammenhang eine Vielzahl interessanter Informationen zum Lebenslauf des umstrittenen Kunsthändlers Karl Haberstock (1878 – 1956) und seinen Nachlass.2 Es ist m.E. wirklich bemerkenswert, dass die Forscherin nicht ’nur‘ Besitzfragen klären möchte, sondern „auch geschehenes Leid und Schicksale sichtbar machen“ will, denn „Hinter jedem der untersuchten Objekte steht immerhin eine Reihe von Lebensgeschichten“3.

Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich Augsburg in dieser Hinsicht schon früh positioniert hat, um einen Beitrag zur kritischen Aufarbeitung zu leisten. Jürgen K. Enninger, Referent für Kultur, Welterbe und Sport, hat sich dazu so geäußert: „Die Kunstsammlungen [ Museen Augsburg waren im Jahr 2001 eine der ersten, die sich angesichts des kritischen Erbes aus der Nazizeit den Herausforderungen der Provenienzforschung und daraus folgender Restitution gestellt haben. Mit der neu entwickelten Datenbank Haberstock Online-Archiv, unterstützt auch vom  Stiftungsamt, gehen sie nun noch einen Schritt weiter: Bedeutende Quellen der Haberstock-Galerie stehen der internationalen Forschung nun transparent und kostenfrei zur Verfügung. Mit dieser klaren Haltung, vergangenes Unrecht aufzuarbeiten, wird dieses wichtige Engagement Grundlage für unser demokratisches Handeln heute.“4

1 Zum Thema ‚Provenienz‘:  Die Forscherin „beschäftigt sich […] mit der Herkunft von Kunstwerken und Kulturgütern sowie der Frage, unter welchen Umständen sie erworben wurden. Bei ihrer Arbeit geht es nicht nur um die Rekonstruktion der Besitzgeschichte der Objekte, sondern auch um moralische Verantwortung.“ (zitiert nach: Pressemitteilung der Stadt Augsburg vom 1. April 2026, S.2)

2 „Als kritisches Erbe steht bei den Kunstsammlungen [ Museen Augsburg die Stiftung Haberstock im Fokus der Aufarbeitung.“ (Pressemitteilung, S.2)

3 Pressemitteilung, S.3.

4 Pressemitteilung, S.2.

Im Folgenden noch ein Audio-Clip von der Veranstaltung. Die Aufnahme mittels Handy-Diktiergerät wurde mir von der Referentin ausdrücklich genehmigt.

Das Bildmaterial wurde von der Pressestelle für eine Berichterstattung zur Verfügung gestellt.

Bilddatei 1_Sophia Barth-Coorssen vor Haberstockporträt_Foto Martin Augsburger_Kunstsammlungen und Museen.jpg

Bilddatei 2_Haberstock_Online-Archiv_Foto Martin Augsburger_Kunstsammungen und Museen.jpg